Storytelling 101

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Mit digitalen Erzählungen mit Windows Movie Maker hatte ich kürzlich im Unterricht experimentiert. Dieser Slidecast gibt eine schöne Einführung in die Methode und einige Grundprinzipien, wenn auch eine nicht zu unterschätzende Hürde die Technik darstellt. Nicht schlecht finde ich auch die Präsentation von Dr. Helen Barrett und Erin Barett, welche das Verfahren des “digital storytelling” in den Zusammenhang mit Personal Learning Environments (PLE) stellt. Eine der zentralen Aussagen ist meines Erachtens, dass sich in Erzählungen der individuellen Lernerfahrung eine ‘Stimme’ gibt. Narrative geben Anstoss bzw. Anlass zur Reflexion und Diskussion.

Die Präsentation gibt auch Hinweise, welche Aufgaben der Lehrkraft beim ‘digital storytelling’ zukommt. Der Lehrer soll die Lerner bei der Sammlung, der Reflektion, der  Verknüpfung von Wissen und der multimedialen Aufarbeitung unterstützen. Schön finde ich die praktischen Tipps (Folie 13ff), die sich mit meiner Unterrichtserfahrung decken. Beim ‘digital storytelling’ ist es von großer Bedeutung, den Lernern eine klare Rahmenvorgabe macht, wie das Endprodukt auszusehen hat. Für Barrett und Barrett handelt es sich um “emotionalen Content”, der durch die eigene Stimme personalisiert wird.
In meinem Unterricht einer Klasse 10 ging es darum, rückblickend auf die gehaltende Unterrichtsreihe, das Scheitern der Weimarer Republik zu erklären. Zunächst sollten die Schülerinnen und Schüler gemeinfreies Bildmaterial oder Bilder unter Creative Commons Lizenz suchen. Als Hilfestellung gab ich den Link zur Wikimedia Commons. Danach erhielten sie folgende Instruktion:

Liebe Schülerinnen und Schüler,
wir wollen in
Kurzvideos, in denen ihr maximal 15
Bilder
in einer Länge von maximal 3:30 Minuten verarbeitet, der Frage nachgehen, warum die
Weimarer Republik gescheitert ist. Bitte
ladet bis zum
01.02. das
Storyboard eurer Gruppe hoch
. Eine entsprechende Vorlage habe ich
für euch bereitgestellt.

Als Software kam Windows Movie Maker zum Einsatz. Diese Software war auf den Rechnern in unserem Infosaal bereits installiert. Die Storyboard-Erstellung war für einige Gruppen als Herausforderung. Es sollte die Punkte Jahr/Datum, Ereignis und Bedeutung (für das Scheitern) enthalten.
Einige Schülerinnen und Schüler wollten direkt mit der ‘production’ anfangen und die Phase der ‘pre-production’ überspringen. Doch mein eigentliches Ziel war, dass die Lerner eine Vorlage bzw. eine konkrete Vorstellung des eigenen Produkts erarbeiteten. Deshalb bestand ich auf diesen Punkt.
Die Produktion der Clips ging den meisten Gruppen schnell von der Hand. Abschließend sollten von Jamendo oder von Wikimedia Commons eine passende Hintergrundmusik ausgewählt werden. Nachdem die Videos erstellt waren, wurden sie in der Klasse vorgeführt uns besprochen. Interessant war, dass häufig die Passung der Musik einer der ersten Punkte im Rahmen des Feedbacks thematisiert wurde.
Aus geschichtsdidaktischer Perspektive denke ich, dass die Methode des ‘digital storytelling’ das Handlungsrepertoire der Lehrkräfte erweitert. Im beschriebenen Unterrichtsversuch lag der besondere Mehrwert darin, dass sich die Lerner handlungsorientiert und kreativ mit einer der zentralen Fragestellungen zur Weimarer Republik auseinandersetzten. Dabei kam in allen Beiträge die Multikausalität gut zum Ausdruck.
Beispiele aus Schülerhand gibt es hier und hier.