"Brennpunkt Geschichte"

Vergangenes in der Gegenwart betrachtet

Anbei poste ich in diesem Blog ein Anliegen in eigener Sache. Der Friedrich Verlag trat vor kurzem an mich heran, ob ich mir die Herausgabe eines Themenhefts vorstellen könne. Der entsprechende Call wurde im letzten Heft veröffentlicht. Er lautet

Computer + Unterricht 93
erscheint im Februar 2014
Thema: Open Educational Resources, Open Source & Creative Commons

Offene Bildungsressourcen oder sog. „Open Educational Resources“ haben mit dem Einzug von Technologie in die Schule und der Digitalisierung des Unterrichts an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um einzelne Lernobjekte, um ganze Lernsequenzen oder um Software, die allgemein zugänglich ist, frei genutzt, verändert und weitergegeben werden kann. Dieses Heft beleuchtet die Bandbreite solcher offener Bildungsressourcen. Es geht der Frage nach, was „Offenheit“ systematisch, systemisch  und rechtlich heißt, welche Konsequenzen daraus für Bildungskontexte entstehen und wie diese Materialien institutionalisierte Lehr-/Lern-Formen ggf. verändern und erweitern.

Ich finde es bemerkenswert, dass sich der Verlag dieser Thematik in einem eigenen Heft annehmen möchte und freue mich, dass Friedrich auf mich zugekommen ist und mir die Betreuung zutraut. Interessentinnen Interessenten können sich gerne direkt beim Verlag melden. Frau Lichtenstern nimmt die Beitragsangebote entgegen.

 

Nachdem mich Karl und Lukas bestärkt haben, dass OpenClipart als Bilderfundus OER konform sei, schiebe ich eine ältere Abbildung nach. Sie entstand in der vorliegenden Gliederung bereits 2008 und wurde in der gymnasialen Oberstufe verwendet. Sie existiert auch in einer Schülerversion. In ihr sind lediglich die Textboxen, die Pfeile und Abbildungen ausgewiesen. Der Unterricht war erarbeitend strukturiert, die Ergebnissicherung erfolgte im fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch. In die Stunde wurde über die Beschreibung einer mittelalterlichen Abbildung zum Jüngsten Gericht (z.B. hier) eingestiegen. Diese Beschreibung war als Hausaufgabe vorzubereiten. Der ersten Unterrichtsschritt zielte darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler herausarbeiten, dass das mittelalterliche Weltbild zweigeteilt angelegt war. Der Begriff “dualistisch” wurde in diesem Zuge eingeführt. Im Anschluss ging es um eine Situationsbeschreibung der Lebenswelt des mittelalterlichen Menschen. Die entsprechenden Textquellen wurden dem eingeführten Schulbuch entnommen. Inhaltlich zeigten sie die Existenznöte des damaligen “einfachen” Menschen auf. Materialien zur Religionspraxis ergänzten den Eindruck für die Schüler/innen.

Impulse um die Bedeutung der Kirche herauszuarbeiten könnten sein:

  • Legt angesichts der beschriebenen Verhältnisse und Nöte des mittelalterlichen Menschen dar, welche Rolle der Kirche im Mittelalter zukam!
  • Es gibt zwischen “Jüngstem Gericht” und Kirche einen Zusammenhang. Erklärt diesen!

Die im Fazit zur Sprache gebrachten Aspekte wurden im Unterrichtsgespräch gesammelt. Die beiden Sätze anschließend von der Lehrkraft diktiert.

Welt- und Menschenbild im Mittelalter  Alexander König cc 2013 (by -sa)

Welt- und Menschenbild im Mittelalter
Alexander König 2013 (cc, by -sa)

Ich habe aber noch einmal überprüft, ob die verwendeten Bildmaterialien auch noch auf Openclipart zu finden sind. Auffindbar sind sie hier und hier. Die Datei kann als odg heruntergeladen werden. Einfach dem Link folgen: Koe_TA_Welt-Menschenbild_Mittelalter

Leider hat mich die Telekom in den letzten Wochen im Stich gelassen, so dass der COER ohne mich weiterlief. All die schönen Sessions und Webinare liefen an mir vorbei… Trotzdem klinke ich mich mit einem Versuch zur Gestaltung einer “Offenen Bildungsressource” ein – in der Hoffnung etwas Rückmeldung zu bekommen. Interessen würde mich insbesondere, ob die Referenzierung in dieser Form ausreichend ist und Materialien von Open Clipart ohne Bedenken genutzt werden können. Es geht um ein Schema, das ich gerne zur Einführung der Methode des Gruppenpuzzles verwende.

Gruppenpuzzle OER

Gruppenpuzzle OER

Und folgerichtig wurde das Material auch im ZUM-Wiki eingepflegt und in den ZUM-Artikel “Gruppenpuzzle” eingebunden.

Das Tolle an MOOCs ist, dass sie die Bekannte und Unbekannte miteinander verbindet. Sie vereint zumindest für die Zeit des Kurses ein gemeinsames Thema, das auf Basis der Freiwilligkeit bearbeitet wird. Für solche Gruppen hat die Sozialwissenschaft längst den Begriff der “Bewegung” eingeführt. Das Netz ist mit seinen verschiedenen Diensten das Vehikel und Informations-, Kommunikations- und Vernetzungsraum zugleich. MOOCs sind so verstanden nicht nur Lernarrangements sondern auch netzgestützte Bildungsbewegungen. Sie werden angestoßen und halten sich über den Kursverlauf hinweg durch und in Kommunikation selbst aufrecht.
Die unterschiedlichen Beiträgen, die mir das RSS-Feed auf meinen Reader brachte, belegen diese Annahme.
Lore Leß forderte, dass im digitalen Zeitalter die Finanzierung von OER zu einer der (staatlichen) Pflichtaufgaben gehören solle. Autoren erstellen Materialien, öffentliche Instiutionen – denkbar wären z.B. Lehrerfortbildungsinstitute kaufen diese ab, beauftragen sie vielleicht sogar. Notwendig wäre natürlich die Zuweisung eines entsprechenden Budgets, das zweckgebunden für die projektbezogene Umsetzung von OER (z.B. Kompetenzorientierung in den Fächern, Lese-/Rechtsschreibtraining) bereitgestellt würde. Aber das sind bildungspolitische Entscheidungen.
Wichtig finde ich in dieser Hinsicht den Beitrag von Sylvia Mössinger “MOOCs are addictive”. Sie formuliert sehr schön persönliche Intentionen, die dem Tausch von Materialien verbunden sein können und dokumentiert ihre Haltung, die von prinzipieller Offenheit, Wertschätzung und Kooperationsbereitschaft getragen ist. Wichtig erscheint mir der Hinweis, auf die Potentiale der kollaborativen Erstellung offener Bildungsressourcen. Die Entwicklung von OER ist in diesem Zusammen prozessual zu verstehen. OER sind also Kommunikationsanlässe, die zur Diskussion um die eigenen didaktischen Positionen und methodischen Standpunkte einladen. Aus dieser Perspektive ist über die Integration der Entwicklung von OER als Beitrag zur Professionalisierung in alle Phasen der Lehrerbildung nachzudenken.

Der #COER13 rollt – heute habe auch ich die ersten Schritte getan und mich zunächst einmal über das Programm informiert. Für die nächsten Woche steht also das Thema “Open Educational Resources” auf dem Stundenplan – jeweils in wöchentlichen und, so mein Eindruck, machbaren Häppchen. Mein geschätzter Kollege Daniel Bernsen hat bereits den Ball aufgenommen. In einem Artikel zur Grundsatzfrage “Warum OER?” beleuchtet er insbesondere die Lernerperspektive. Als interessant empfinde ich die These, dass frei zugängliche Netzmaterialien – ich weiß,  dass dies per definitionem noch keine OER sein müssen – subervise und ideologiekritische Potentiale entfalten können. Aber wie sich in der Diskussion der Kommentatoren schnell zeigte, bedarf es offensichtlich bereits einer bestimmten Grunddispositionen, bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten auf Seiten der Lerner. Entsprechende Informationen müssen gefunden, richtig ausge- und bewertet werden, bevor sie genannte Wirkungen überhaupt erst entfalten können.
Die Diskussion entwickelte sich, initiiert durch einen der Kommentatoren, schnell in eine andere Richtung: Brauchen wir eigentlich OER? Ist die um offene Bildungsressourcen geführte Debatte vielleicht nur eine mit sehr begrenzter Reichweite, die eigentlich an den Lehrkräften vorbeigeht? Soll die Produktion von Lehr-Lernmaterialien nicht ganz den Verlagen überlassen werden, die über professionelle Ausstattung und definierte Qualitätsmaßstäbe verfügen?
Auch hier hat Daniel eine umfänglich Analyse von Gründen vorgelegt, die für das bisher recht verhaltene Echo der Debatte im deutschsprachigen Raum angeführt werden können. An diese Überlegungen möchte ich anschließen. Oft steht die schulische Organisation – mit ihren Hierarchien, Ämtern und Besoldungsstufen – der Lehrerkooperation im Bereich der Produktion und des Tauschs von Lehr-Lernmaterialien selbst im Wege. Was als individuelles Anreizsystem gedacht ist, führt mancherorts zur internen Zersplitterung der Organisation. Lehrer sind nicht immer nur Kollegen sondern auch Konkurrenten, wenn es um Stellen und Funktionen geht. So habe ich schon das Argument gehört, dass Materialien einfach aus dem Grunde nicht getauscht werden wollen, da man respektive frau diese z.B. in einer Anhospitation in Anschlag bringen könnte.
Ein weiterer Grund, warum Materialtausch oft scheitert, ist die Angst vor der Häme der Kolleg/innen, wenn formale oder sachliche Fehler im Material entdeckt werden. In der Tat werden, wenn Lehrer/innen über Lehrer/innen reden, Defizitdiskurse im Sinne eines “Der/Die kann noch nicht mal…” geführt. Lehrer/innen bewerten nicht nur Schüler/innen…sondern auch ihresgleichen. Das ist sicherlich traurig, aber auch Teil der Lehrerzimmerrealität. Deshalb wird sich die Zahl der OER-Produzenten unter den Lehrkräften zunächst auf wenige beschränken. Es wird dauern bis eine kritische Masse erreicht ist und OER im wahrsten Sinne salonfähig geworden ist. Ist das nicht das subversive Potential der OER-Produktion?