"Brennpunkt Geschichte"

Vergangenes in der Gegenwart betrachtet

Nachdem mich Karl und Lukas bestärkt haben, dass OpenClipart als Bilderfundus OER konform sei, schiebe ich eine ältere Abbildung nach. Sie entstand in der vorliegenden Gliederung bereits 2008 und wurde in der gymnasialen Oberstufe verwendet. Sie existiert auch in einer Schülerversion. In ihr sind lediglich die Textboxen, die Pfeile und Abbildungen ausgewiesen. Der Unterricht war erarbeitend strukturiert, die Ergebnissicherung erfolgte im fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch. In die Stunde wurde über die Beschreibung einer mittelalterlichen Abbildung zum Jüngsten Gericht (z.B. hier) eingestiegen. Diese Beschreibung war als Hausaufgabe vorzubereiten. Der ersten Unterrichtsschritt zielte darauf ab, dass die Schülerinnen und Schüler herausarbeiten, dass das mittelalterliche Weltbild zweigeteilt angelegt war. Der Begriff “dualistisch” wurde in diesem Zuge eingeführt. Im Anschluss ging es um eine Situationsbeschreibung der Lebenswelt des mittelalterlichen Menschen. Die entsprechenden Textquellen wurden dem eingeführten Schulbuch entnommen. Inhaltlich zeigten sie die Existenznöte des damaligen “einfachen” Menschen auf. Materialien zur Religionspraxis ergänzten den Eindruck für die Schüler/innen.

Impulse um die Bedeutung der Kirche herauszuarbeiten könnten sein:

  • Legt angesichts der beschriebenen Verhältnisse und Nöte des mittelalterlichen Menschen dar, welche Rolle der Kirche im Mittelalter zukam!
  • Es gibt zwischen “Jüngstem Gericht” und Kirche einen Zusammenhang. Erklärt diesen!

Die im Fazit zur Sprache gebrachten Aspekte wurden im Unterrichtsgespräch gesammelt. Die beiden Sätze anschließend von der Lehrkraft diktiert.

Welt- und Menschenbild im Mittelalter  Alexander König cc 2013 (by -sa)

Welt- und Menschenbild im Mittelalter
Alexander König cc 2013 (by -sa)

Ich habe aber noch einmal überprüft, ob die verwendeten Bildmaterialien auch noch auf Openclipart zu finden sind. Auffindbar sind sie hier und hier. Die Datei kann als odg heruntergeladen werden. Einfach dem Link folgen: Koe_TA_Welt-Menschenbild_Mittelalter

Leider hat mich die Telekom in den letzten Wochen im Stich gelassen, so dass der COER ohne mich weiterlief. All die schönen Sessions und Webinare liefen an mir vorbei… Trotzdem klinke ich mich mit einem Versuch zur Gestaltung einer “Offenen Bildungsressource” ein – in der Hoffnung etwas Rückmeldung zu bekommen. Interessen würde mich insbesondere, ob die Referenzierung in dieser Form ausreichend ist und Materialien von Open Clipart ohne Bedenken genutzt werden können. Es geht um ein Schema, das ich gerne zur Einführung der Methode des Gruppenpuzzles verwende.

Gruppenpuzzle OER

Gruppenpuzzle OER

Und folgerichtig wurde das Material auch im ZUM-Wiki eingepflegt und in den ZUM-Artikel “Gruppenpuzzle” eingebunden.

Das Tolle an MOOCs ist, dass sie die Bekannte und Unbekannte miteinander verbindet. Sie vereint zumindest für die Zeit des Kurses ein gemeinsames Thema, das auf Basis der Freiwilligkeit bearbeitet wird. Für solche Gruppen hat die Sozialwissenschaft längst den Begriff der “Bewegung” eingeführt. Das Netz ist mit seinen verschiedenen Diensten das Vehikel und Informations-, Kommunikations- und Vernetzungsraum zugleich. MOOCs sind so verstanden nicht nur Lernarrangements sondern auch netzgestützte Bildungsbewegungen. Sie werden angestoßen und halten sich über den Kursverlauf hinweg durch und in Kommunikation selbst aufrecht.
Die unterschiedlichen Beiträgen, die mir das RSS-Feed auf meinen Reader brachte, belegen diese Annahme.
Lore Leß forderte, dass im digitalen Zeitalter die Finanzierung von OER zu einer der (staatlichen) Pflichtaufgaben gehören solle. Autoren erstellen Materialien, öffentliche Instiutionen – denkbar wären z.B. Lehrerfortbildungsinstitute kaufen diese ab, beauftragen sie vielleicht sogar. Notwendig wäre natürlich die Zuweisung eines entsprechenden Budgets, das zweckgebunden für die projektbezogene Umsetzung von OER (z.B. Kompetenzorientierung in den Fächern, Lese-/Rechtsschreibtraining) bereitgestellt würde. Aber das sind bildungspolitische Entscheidungen.
Wichtig finde ich in dieser Hinsicht den Beitrag von Sylvia Mössinger “MOOCs are addictive”. Sie formuliert sehr schön persönliche Intentionen, die dem Tausch von Materialien verbunden sein können und dokumentiert ihre Haltung, die von prinzipieller Offenheit, Wertschätzung und Kooperationsbereitschaft getragen ist. Wichtig erscheint mir der Hinweis, auf die Potentiale der kollaborativen Erstellung offener Bildungsressourcen. Die Entwicklung von OER ist in diesem Zusammen prozessual zu verstehen. OER sind also Kommunikationsanlässe, die zur Diskussion um die eigenen didaktischen Positionen und methodischen Standpunkte einladen. Aus dieser Perspektive ist über die Integration der Entwicklung von OER als Beitrag zur Professionalisierung in alle Phasen der Lehrerbildung nachzudenken.

Der #COER13 rollt – heute habe auch ich die ersten Schritte getan und mich zunächst einmal über das Programm informiert. Für die nächsten Woche steht also das Thema “Open Educational Resources” auf dem Stundenplan – jeweils in wöchentlichen und, so mein Eindruck, machbaren Häppchen. Mein geschätzter Kollege Daniel Bernsen hat bereits den Ball aufgenommen. In einem Artikel zur Grundsatzfrage “Warum OER?” beleuchtet er insbesondere die Lernerperspektive. Als interessant empfinde ich die These, dass frei zugängliche Netzmaterialien – ich weiß,  dass dies per definitionem noch keine OER sein müssen – subervise und ideologiekritische Potentiale entfalten können. Aber wie sich in der Diskussion der Kommentatoren schnell zeigte, bedarf es offensichtlich bereits einer bestimmten Grunddispositionen, bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten auf Seiten der Lerner. Entsprechende Informationen müssen gefunden, richtig ausge- und bewertet werden, bevor sie genannte Wirkungen überhaupt erst entfalten können.
Die Diskussion entwickelte sich, initiiert durch einen der Kommentatoren, schnell in eine andere Richtung: Brauchen wir eigentlich OER? Ist die um offene Bildungsressourcen geführte Debatte vielleicht nur eine mit sehr begrenzter Reichweite, die eigentlich an den Lehrkräften vorbeigeht? Soll die Produktion von Lehr-Lernmaterialien nicht ganz den Verlagen überlassen werden, die über professionelle Ausstattung und definierte Qualitätsmaßstäbe verfügen?
Auch hier hat Daniel eine umfänglich Analyse von Gründen vorgelegt, die für das bisher recht verhaltene Echo der Debatte im deutschsprachigen Raum angeführt werden können. An diese Überlegungen möchte ich anschließen. Oft steht die schulische Organisation – mit ihren Hierarchien, Ämtern und Besoldungsstufen – der Lehrerkooperation im Bereich der Produktion und des Tauschs von Lehr-Lernmaterialien selbst im Wege. Was als individuelles Anreizsystem gedacht ist, führt mancherorts zur internen Zersplitterung der Organisation. Lehrer sind nicht immer nur Kollegen sondern auch Konkurrenten, wenn es um Stellen und Funktionen geht. So habe ich schon das Argument gehört, dass Materialien einfach aus dem Grunde nicht getauscht werden wollen, da man respektive frau diese z.B. in einer Anhospitation in Anschlag bringen könnte.
Ein weiterer Grund, warum Materialtausch oft scheitert, ist die Angst vor der Häme der Kolleg/innen, wenn formale oder sachliche Fehler im Material entdeckt werden. In der Tat werden, wenn Lehrer/innen über Lehrer/innen reden, Defizitdiskurse im Sinne eines “Der/Die kann noch nicht mal…” geführt. Lehrer/innen bewerten nicht nur Schüler/innen…sondern auch ihresgleichen. Das ist sicherlich traurig, aber auch Teil der Lehrerzimmerrealität. Deshalb wird sich die Zahl der OER-Produzenten unter den Lehrkräften zunächst auf wenige beschränken. Es wird dauern bis eine kritische Masse erreicht ist und OER im wahrsten Sinne salonfähig geworden ist. Ist das nicht das subversive Potential der OER-Produktion?

Fortsetzung des gemeinsamen Beitrags von Daniel Bernsen und Alexander König

Annäherung an den Begriff (historischer) “Lernort” im mobilen Geschichtslernen

“Lernort” ist nicht nur in der geschichtsdidaktischen Diskussion eine höchst schwammiger Begriff, der eine Präzisierung benötigt. Nach Demantowsky (in: Handro/Schönemann, Hg., 2008, 149) wird der historische Lernort hier nicht metaphorisch, sondern als “realer, topographischer Ort” verstanden. Es gilt Modi zu bestimmen, die aus dem Verhältnis des jeweiligen Orte zum Lernenden und zum Lernprozess folgen. Demantowsky unterscheidet historische Lernorte in seiner Typologie nach den Qualität der Orte in Bezug auf ihren geschichtskulturellen Charakter: den gegenwärtigen und vergangenen Umgang mit ihnen, sowie nach Veränderungen an den Orten selbst. Er postuliert dabei, dass für die Geschichtdidaktik und den Geschichtsunterricht Überreste an sich nicht interessant seien, sondern nur als “geschichtskulturelle Traditionen” (ebd., 155).

Die Nutzung digitaler Endgeräte kann die Orte historischen Lernens erweitern. Auch Überreste, also nicht-intentional überlieferte Relikte aus der Vergangenheit, werden als Orte mobilen Geschichtslernens interessant, weil sie durch zusätzliche Materialien, Quellen und Darstellungen (Fotos, Pläne, Briefe etc.) angereichert und damit “lesbar” gemacht werden können. An, mit und durch Medien werden sie in ihrem Gehalt für historische Lernprozesse dechiffrierbar, so dass sie prinzipiell auch “historischen Laien” zugänglich werden. Für die Vorbereitung und das Anstoßen von Lernprozessen ist dabei das Verhältnis von topographischem Ort und digitalem Endgerät in Beziehung zum Geschichtslernen zu bestimmen. Es macht vor dem Hintergrund des zugrunde gelegten relationen Verständnisses historischen Lernens durchaus Sinn, sowohl den Ort als auch das Endgerät mit seinen unterschiedlichsten Funktionen als Medien zu bestimmen. Mobiles Geschichtslernen wird in dieser medialen Dopplung der Reflexion zugänglich.

Aufbauend auf unserem Beitrag “Medien und historisches Lernen” lässt sich mobiles Geschichtslernen als besondere Form historischen Lernens in vier verschiedenen Modi kategorisieren. Diese vier Modi geben eine grundlegende Systematik für die didaktische und methodische Planung historischer Lernszenarien an die Hand. Die historischen topographischen Orte werden dabei als Quellen im weiten Medienbegriff der digitalen Geschichtsdidaktik fass- und in ihrer Funktion für den Lernprozess bestimmbar (“Vergangenheit [ist] immer nur medial vermittelt zugänglich”. Siehe: Bernsen/König/Spahn 2012, 15). Die aufgeführten Punkte sind exemplarisch zu verstehen:

1) Lernen an Medien als Lernobjekte erster Ordnung
a) Orte als Quelle: Alle historischen topographischen Orte haben selbst Quellencharakter. Sie geben unmittelbar Aufschluss über und Einblick in ihre Vergangenheit. Historisches Lernen findet situiert und vor Ort statt. Der Erkenntnisprozess ist insofern selbst an den Ort gebunden ist. In der Regel handelt es sich dabei um materielle Überreste oder Traditionen (z.B. in Form von Denkmälern oder repräsentativen Bauwerken), die uns überliefert sind, und die erste durch zusätzliche Informationen zum “Sprechen” gebracht werden.
Um dies zu verdeutlichen wird das Lernen an Denkmälern im folgenden näher betrachtet: Bereits die Verortung in der konkreten Umgebung, aber auch ganz persönliche Eindrücke können Hinweise auf bauliche Wirkungsabsichten geben. Eine ganzheitliche und möglichst detaillierte Beschreibung des Orts, also des Denkmals und seiner “Umwelt”, macht es (durch die Versprachlichung der Wahrnehmung) zugänglich. Eventuell lassen sich Veränderungen über die Zeit feststellen und Spuren vormaliger Nutzung, von Widmungen und ggf. Umwidmungen (z.B. anhand von Ausstreichungen oder Ergänzungen) feststellen.
Auf jeden Fall liefert die eingehende Beschäftigung mit dem Ort, d.h. sowohl die Beschreibung als auch Lokalisierung im Raum, Elemente, die anschließend für eine Interpretation nutzbar gemacht werden können.

b) Digitale Endgeräte an sich sind in diesem Modus selbst kein Medium an dem historisch gelernt wird. Gleichwohl können digitale Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet, zusätzliche Medien bereitstellen bzw. – im Sinne einer Binnendifferenzierung durch Individualisierung – vorhalten und zugänglich machen, die zum “Lesen” der Orte als Quellen hilfreich, bei Überresten in der Regel notwendig sind. Das können beispielsweise Quellentexte zur Baugeschichte, alte Fotografien, 3D-Modelle oder wissenschaftliche oder touristische Darstellungstexte sein, die vor Ort genutzt und in Beziehung zum gegenwärtigen Zustand und Aussehen des Ortes gesetzt werden.

2) Lernen mit Medien als Werkzeuge

Die oben genannten Materialien als Lernobjekte erster Ordnung können ortsunabhängig auf mobilen Endgeräten über Internetseiten oder auch ortsgebunden durch QR-Codes bereitgestellt oder in einem Cache versteckt werden. Digitale Endgeräte ermöglichen also die Arbeit mit Materialien in verschiedenen Wahrnehmungsmodi und Codierungen (Texte, Bilder, Audio oder Video).
Sie unterstützen als Werkzeuge historisches Lernen oder ermöglichen dieses sogar erst. Mobile Devices besitzen als multifunktionale Geräte zahlreiche Features, die zu Initiierung und Aufrechterhaltung von Lernprozessen genutzt werden können. An dieser Stellen können nur einige der vielen möglichen Aktivitäten beispielhaft genannt werden:

  • Entdecken: Sammeln von Assoziationen, unmittelbaren (Sinnes-)Eindrücken, Emotionen als schriftliche Notizzettel, in einem Dokument oder auch als Ton- oder Videoaufnahme
  • Beobachten: Systematischer und ggf. auch methodisch geleiteter Zugang, z.B. Fotos vom Lernort anfertigen lassen, Auffälligkeiten festhalten
  • Prüfen: z.B. von bereits im Unterricht thematisierter Einzelaspekte politischer oder religiöser Symbolik
  • Lokalisieren: Präzise Bestimmung des eigenen Standpunkts und des Ortes als Untersuchungsobjekt auf einer Karte mit Hilfe von GPS und digitalen Karten; Einbettung in städtebauliches Ensemble, Herstellen von Bezügen zu anderen Orten, Erweiterung der Wahrnehmung über eigenes Sichtfeld hinaus
  • Kommunizieren: Über soziale Netzwerke, Chat, Videokonferenz, Mail, Telefon ist eine “vernetzte Individualisierung” in Form ortsungebundener Kommunikation möglich, um eigene Kontakte als “persönliches Lernnetzwerk” (PLN = personal learning network) zum Austausch von Ideen und für weiterführende Fragen zu nutzen
  • Befragen: Verankerung einer Erinnerungsorts, historischen Orts im “kollektiven Gedächtnis” einer Stadt und Wahrnehmung durch Aufnahme von Interviews mit Passanten in Form einer Stichprobe erfassen
  • Dokumentieren: Unterstützung des Erschließens und Festhaltens von Orten durch Nutzung von z.B. kollaborativ erstellten Mindmaps oder Etherpads, Dokumentation von Befragungen mit Ton- oder Videoaufzeichnungsfunktion des Handys, Anfertigung von Bild- und Videoaufnahmen ggf. unter Zurhilfenahme der Zoomfunktion beim Entdecken, Beobachten und Prüfen
  • Kombinieren: Aufzeichnung mit (Meta-)Reflexion, Formulierung von Hypothesen und weiterführender Fragestellungen durch Verknüpfen von Ergebnissen aus den oben angeführten Tätigkeiten